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Die Monate - ein Märchen aus Italien

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Die Monate


Es waren einmal zwei leibliche Brüder, Cianne und List. Jener hatte Geld, dieser war arm. Aber je ärmer der eine war, desto knickriger war der andere, der sich oder anderen unter keinen Umständen etwas zu gute getan hätte. Der arme Lift endlich, voller Verzweiflung über sein Missgeschick, verließ sein Vaterland und ging in die weite Welt, um da sein Glück zu versuchen.
Eines Abends nun, nach einer sehr beschwerlichen Tages reist, gelangte er in ein Wirtshaus, wo er zwölf junge Leute fand, die um ein Feuer saßen und sich wärmten. Als diese den bejammernswerten List in einem so trübseligen Zustande ankommen sahen, zitternd vor Frost in der strengen Jahreszeit und weil seine Kleider ganz zerrissen waren, luden sie ihn ein, sich neben dem Herde niederzusetzen. List nahm die Einladung an, denn er bedurfte dessen gar sehr und machte sich's bequem. Hierauf fragte ihn einer, jener Jünglinge, der ein so launisches verdrießliches runzliges Gesicht hatte, dass es lächerlich anzusehen war: „Was scheint dir, Landsmann, von diesem Wetter?"

 

„Was soll mir scheinen“, versetzte List, „es scheint mir, dass alle Monate des Jahres ihre Schuldigkeit tun. Aber wir, die wir nicht wissen, was wir wollen, nehmen uns heraus, dem Himmel Gesetze vorzuschreiben, und indem wir die Dinge, so wie sie uns für gut scheinen, wünschen, bedenken wir eben nicht sehr, ob das gut oder schlecht, nützlich oder schädlich wäre, was uns eben in den Sinn kommt, so dass wir im Winter, wenn's regnet, die Sonne im Löwen, und im August Wolkenbrüche haben möchten, ohne zu bedenken, dass wenn dies geschähe, die Jahreszeiten drüber und drunter, die Saaten und Ernten zu Grunde gehen würden, die Menschen hinsterben, und die Natur verderben müsste.

Daher wollen wir dem Himmel seinen Lauf lassen, denn er hat die Bäume dazu geschaffen, um mit dem Holz die Heftigkeit des Winters, und mit ihren Laubdächern die Hitze des Sommers erträglich zu machen."
„Du sprichst wie ein vernünftiger Mensch“, erwiderte jener junge Mann, „allein du kannst doch nicht in Abrede stellen, dass dieser Monat März, in dem wir uns jetzt befinden, recht widerwärtig ist mit seinem vielen Frost und Regen, Schnee und Hagel, Wind, Nebel und Sturm und andern Beschwerlichkeiten, die uns das Leben zum Überdruss machen."
„Du sprichst sehr übel von diesem armen Monat“, entgegnete List, „aber du erwähnst nicht den Nutzen, den er uns bringt, denn er ist es ja, welcher den Frühling einleitet, und dadurch alles wieder neu entstehen lässt. Ja, wenn irgend einer, so beweist er die Trefflichkeit seines gegenwärtigen Wetters, indem er die Sonne in das Zeichen des Widders übergehen lässt."

 

Jener Jüngling fand an den Worten des List großes Gefallen, weil er selbst gerade der Monat März war, der mit den andern 11 Monaten in jenem Wirtshaus eingekehrt war. Um nun die freundliche Denkungsart Lists zu belohnen, der es nicht vermocht hatte, von einem so unfreundlichen Monat Böses zu reden, gab er ihm ein schönes Kästchen, indem er zu ihm sagte: „Nimm dies, sieh zu, was dir Not tut, und sage es dreist diesem Kästchen. Wenn du es aufmachst, wirst du das Gewünschte darin finden."
List bedankte sich bei dem Jünglinge mit demütigen Worten, und indem er sich das Kästchen als Kissen unter den Kopf legte, überließ er sich dem Schlaf; mit Tagesanbruch wachte er auf, und nachdem er von den Monaten Abschied genommen, begab er sich auf den Weg.
Er war aber noch nicht fünfzig Schritte von dem Wirtshaus entfernt, als er das Kästchen aufmachte und sagte: „O Herr, könnte ich nicht eine mit Fries ausgeschlagene Sänfte und etwas Feuer darin haben, um recht behaglich warm in diesem Schnee vorwärts zu kommen."
Er hatte dies kaum gesagt, als eine Sänfte mit den Trägern erschien; sie hoben ihn hinein, nahmen die Sänfte auf die Schultern und begaben sich auf den Weg nach seinem Haust, welchen List sie gehen hieß. Als die Stunde des Essens gekommen war, öffnete er wiederum das Kästchen und sagte: „Nun etwas her zu essen!“, und alsbald sah man Speisen und Getränke zum Vorschein kommen, und die Tafel war so besetzt, dass zehn gekrönte Häupter an derselben hätten Teil nehmen können.

 

Des Abends, in einem dunkeln Walde angelangt, welcher der Sonne keinen Zutritt gewährte, öffnete List das Kästchen und sagte: „An diesem schönen Aufenthalt, bei dem Gemurmel des Flusses, der auf den Steinen den Contrabass spielt, um den Gesang der frischen Winde zu begleiten, möcht' ich für heut mein Nachtlager halten?'
Augenblicklich sah man ein feines scharlachnes Lager erscheinen unter einem kostbaren Zelte mit Matratzen von Flaumfedern, spanischer Decke, herrlichen Kissen und Laken, und als List zu essen forderte, wurde unter einem andern Speisezelt ein Silberservice wie für einen Fürsten auf den Tisch gesetzt, so dass der Geruch sich hundert Meilen weit verbreitete.
Nachdem List gegessen, legte er sich schlafen; mit Tagesanbruch aber öffnete er das Kästchen und sagte: „Nun wünscht' ich mir ein schönes Kleid, denn ich werde heut' meinen Bruder wieder sehen, und ich möcht' ihn wohl ein wenig in Erstaunen setzen."
Also bald sieht er vor sich ein kostbares Sammetkleid mit einem roten Vorstoß und Schlitzen, unter denen ein gelbseidenes Untergewand hervorleuchtete, dass es aussah, wie ein Blumenbeet. Diese prächtigen Kleider legte Lise sich an, stieg in die Sänfte, und kam so nach Hause.

 


Eianne, da er ihn in einem so prachtvollen Aufzuge anlangen sah, wollte gleich wissen, wo und wie er sein Glück gemacht habe, worauf ihm denn der Bruder erzählte, wen er in jenem Wirtshause gefunden, und was für ein Geschenk man ihm gemacht hätte; dagegen erwähnte er nichts von den freundlichen und bescheidenen Worten, die ihm die Gunst jenes Jünglings erworben hatten.
Cianne konnte die Zeit nicht erwarten, um von seinem Bruder Abschied zu nehmen; er trieb ihn an, sich schlafen zu legen, da er gewiss recht müde sei, und gleich darauf nimmt er Courierpferde und begibt sich über Hals und Kopf nach jenem Wirtshause, woselbst er die nämlichen Jünglinge findet, und sich mit ihnen in ein Gespräch einlässt.
Da richtet jener Jüngling an ihn dieselbe Frage, was er wohl von dem Monat März hielte; doch Cianne, als ein grober Tölpel, entgegnet ihm darauf folgendermaßen:
„O dass doch Gott diesen verdammten Monat verwünsche, der den Hirten verhasst ist, die Säfte verdirbt, die Körper ruiniert, ein Monat, dessen wir uns bedienen, wenn wir irgend einem Menschen ein Unheil an den Hals wünschen wollen, indem wir sagen: „ „Dass dich ein böser März hole!", und wenn wir jemanden als einen aufgeblasenen, dünkelhaften Menschen bezeichnen wollen, so sagen wir von ihm: „„Was kümmert er sich um den März!" Mit einem Wort, es ist ein Monat, dass es ein Glück der Welt, das Heil der Erde, der Reichtum der Menschen wäre, wenn er aus der Liste seiner Brüder ausgestrichen würde."
Dem Monat März, da er sich so vom Cianne den Kopf waschen hörte, fuhr dies nicht wenig in die Nase, und er sann nach, wie er ihm für seine treffliche Rede eine entsprechende Belohnung geben könne. Als nun Cianne den folgenden Morgen abreisen wollte, gab er ihm einen schönen Stock, indem er zu ihm sagte: ,,Immer, wenn du etwas brauchst, so sprich nur: Stock, gib mir hundert! und du wirst augenblicklich das Gewünschte erhalten."
Cianne dankt dem Jüngling, und fängt an darauf loszureiten, denn er wollte den Stock nicht eher versuchen, als bis er sich in seinem Hause befände. Kaum aber hat er den Fuß in dasselbe gesetzt, so begibt er sich in ein geheimes Zimmer, denn es sollte Niemand um das Geld wissen, welches er von dem Stock zu erhalten hoffte, und sagte zu diesem: „Stock, gib mir hundert!"
Und der Stock fing an, ihm alles das Gewünschte und noch mehr zu geben, indem er ihm auf Gesicht und Füßen herumtanzte, dergestalt, dass Life auf das Geschrei herbeilief, und da er sah, dass der Stock sich nicht halten ließ, das Kästchen öffnete, und ihn so zum Stehen brachte. Als er nun den Cianne fragte, was denn vorgefallen sei, und die Geschichte hörte, sagte er zu seinem Bruder, er solle Niemand anders anklagen, als sich selbst, denn er habe sich das Übel selbst zugezogen wie ein Gimpel, und habe gehandelt wie jenes Kamel, das Hörner zu haben wünschte, und die Ohren verlor; ein andermal aber möge er sich wohl vorsehen und die Zunge im Zaum halten, welche der Schlüssel gewesen, der ihm diesmal die Vorratskammer des Unglücks aufgeschlossen. Denn hätte er von jenem Jüngling Gutes gesprochen, so hätte er vielleicht dasselbe Glück erfahren; um so mehr aber solle man Gutes von Andern reden, da dies eine Ware sei, die nichts koste, und von welcher alsdann dennoch ein unverhoffter Gewinn übrig bleibe.
Endlich aber tröstete er ihn und redete ihm zu, nicht mehr Güter zu suchen, als die der Himmel ihm gegeben, denn fein Kästchen reiche vollkommen hin, um dreißig Häuser geiziger Inhaber bis zum Rande mit Schätzen zu füllen. Cianne solle über all sein Gut frei schalten dürfen, denn bei dem freigebigen Menschen sei der Himmel Schatzmeister, und wenn gleich ein anderer Bruder ihm wegen der schlechten Behandlung, die er in seinem Elend von ihm erfahren habe, einen Groll nachtragen würde, so bedenke er hingegen, dass sein Geiz der günstige Wind gewesen sei, der ihn in diesen Hafen getrieben habe, und daher wolle er ihm Dank sagen, und für sein Glück sich erkenntlich beweisen.
Als Cianne dies vernahm, bat er ihn wegen der früheren übeln Behandlung um Verzeihung; in friedlichem Einverständnis) genossen sie zusammen ihr gutes Glück, und von Stund' an sagte Cianne von jeder Sache, wie schlimm sie auch sein mochte, dennoch nur Gutes; denn der abgebrühte Hund fürchtet sogar auch das kalte Wasser.

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Märchen der Welt, nach einer Übersetzung von Dr. Kletke, 1846, mit angepasster Schreibweise.

 

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