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Wer ist der Dümmste - Märchen, erzählt von Karl Simrock

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Wer ist der Dümmste?

Eine Frau klagte ihren Nachbarinnen über ihren Mann, dass er so dumm sei und alles glaube, was sie ihm sage. Der Schade ist so groß nicht, sagte die eine Nachbarin; der meine ist auch nicht gar klug; wer weiß wozu das gut ist. Gewiss, sagte die Dritte; man muss es sich nur zu Nutze machen. Ach, sagte die Erste wieder, wozu kann das nütze sein? Ihr stellt euch nicht vor, wie weit das bei meinem Manne geht. Ich wette, wenn ich ihm sagte, er wäre tot, er glaubte es, und ließe sich lebendig begraben. Es gilt, sagte die andere: wenn ihr das bei euerm Manne zu Wege bringt, so will ich den meinen überreden, dass er im Hemde mit zur Leiche geht. Ei, fiel die Dritte ein, so sollte sich meiner einbilden, er wäre der Kaplan und müsste den Leichenzug führen. Des Handels wurden sie eins und gaben sich die Hände daraus. Andern Morgens, als ihr Mann noch schlief, mischte die Frau Safran und Ruß, bestrich damit ihrem Mann das Angesicht und fing dann an so laut zu jammern und zu schreien, dass er auswachte und fragte: Was ist dir denn, dass du so jammerst und heulst?

 

Ach, rief sie, ich arme geschlagene Frau, soll ich nicht jammern, da du gestorben bist? Ich gestorben? fragte der Mann verwundert: davon weiß ich ja kein Wort. Freilich, sagte sie, weil du tot bist, kannst du es nicht wissen. Aber sieh nur hier in den Spiegel. Ja, sagte der Mann, nun sehe ich es wohl; wie hätte ich das aber glauben sollen? Freilich, sagte die Frau, gestern Abend gingst du ja ganz munter zu Bette:

 

Wer hätte gedacht, dass dich in der Nacht der Schlag rühren würde! Aber liege nun still und strecke dich: wo hast du je gesehen, dass ein Toter so schief gelegen hätte? Den Kopf zurück, die Arme herab und die Beine grad aus. So! Nun lass mich dir die Augen zudrücken. Da hielt der Mann den Atem an, die Frau drückte ihm die Augen zu und lief lachend aus der Stube und gleich aus dem Haus zu ihren Nachbarinnen und sagte: Mit meinem Mann ist es schon richtig, ich Hab ihm eben die Augen zugedrückt und nun liegt er still und meint, er wäre gestorben. Morgen früh um sechse lass ich ihn begraben; seht nun zu, dass ihr Wort haltet und eure Männer mit zur Leiche schickt.

 

Sorgt nicht, sagten die Nachbarinnen, sie sollen kommen. Am Abend sagte die nächste Nachbarin zu ihrem Mann: Unser Nachbar Doll ist gestorben; sei morgen früh bei der Hand, dass du mit zur Leiche gehst. Ja, liebe Frau, sagte der Mann, aber wecke mich zeitig, dass ich mich nicht verschlafe. Das versprach sie ihm. Die dritte Nachbarin wartete bis zum Morgen, da stand sie auf, als ihr Mann noch schlief und schor ihm eine Platte. Dann weckte sie ihn und rief: Um Gottes willen, Herr Kaplan, steht doch auf, ihr müsst ja den Nachbar Doll begraben. Was, sagte der Mann, bin ich denn der Kaplan? Ja, freilich Herr Kaplan, sagte sie, wisst ihr nicht mehr, dass ihr Kaplan geworden seid? Ei, sagte der Mann, da müsste mir doch eine Platte geschoren sein. Damit fühlte er sich auf den Kopf und fand richtig die Platte. Aber nur bald, Herr Kaplan, rief die Frau, lasst die Leute nicht so lange warten; sie sind schon alle vor dem Hause versammelt. Hier liegen die Chorkleider: ich will euch helfen, dass ihr hinein kommt, denn ihr wisst noch nicht recht Bescheid damit.

 

Inzwischen hielt auch die Dritte, die ihren Mann zu wecken versprochen hatte, ihr Wort. Mann, rief sie, steh geschwind auf, der Leichenzug wird sich gleich in Bewegung setzen. Der Mann erhob sich und wollte nach Rock und Beinkleidern greifen; aber die Frau hatte sie bei Seite geschafft. Der Rock ist beim Schneider, sagte sie zu dem Manne, der eben aufgestanden war; es schadet aber nichts, du kannst bei dieser Schwüle wohl ohne Rock gehen. Wo sind denn aber die Beinkleider? fragte der Mann. Die liegen neben dem Bette, sagte die Frau; aber schäme dich doch, so zerstreut zu sein. Du hast sie ja eben schon angezogen. Mach nur schnell, dass du nachkommst, die Leiche ist schon auf dem Kirchhof, lauf, sonst kommst du wenn alles vorbei ist.  

 

Da glaubte der Mann der Frau, er hätte die Beinkleider schon an, und lief im Hemde dem Leichenzug nach. Als er auf den Kirchhof kam, ward eben der Segen über die Leiche gesprochen und es fehlte nichts, als dass der Sargdeckel geschlossen und die Leiche herabgelassen würde. Da kam just der Nachbar im Hemde gelaufen und die Bauern fielen in lautes Gelächter über seinem Anzug. Davon erwachte der Tote, richtete sich empor, sah seinen Nachbar im Hemde herankommen und sagte: „Wenn ich jetzt nicht tot wäre, so lachte ich mich zu Tode über den Nachbar Doll.
 

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