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Schönchen Goldhaar - ein Märchen aus Frankreich

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Schönchen Goldhaar


Es war einmal eine Königstochter, die war so schön, dass es nichts Schöneres auf der Welt gab und deshalb nannte man sie Schönchen Goldhaar; denn ihr goldgelbes krauses Haar war weit feiner, als Gold und fiel in langen Locken bis auf die Knie herab. Sie war wie eingehüllt darin, trug fast immer einen Blumenkranz auf dem Kopf und Kleider, die mit Diamanten und Perlen besetzt waren. Niemand konnte sie sehen, ohne sie zu lieben.
In ihrer Nachbarschaft befand sich ein junger König, der noch unverheiratet war, sehr hübsch und sehr reich. Als er hörte, was man alles von Schönchen Goldhaar erzählte, empfand er, ohne sie noch gesehen zu haben, eine so heftige Liebe zu ihr, dass er alle Luft zum Essen und Trinken verlor und sich entschloss, einen Gesandten abzuschicken und sie zu seiner Gemahlin zu verlangen. Er ließ seinem Gesandten eine prächtige Karosse bauen, gab ihm mehr als hundert Pferde und hundert Bedienten mit und empfahl ihm angelegentlich, ihm die Prinzessin ja mitzubringen.
Als der Gesandte von dem Könige Abschied genommen hatte und abgereift war, sprach der ganze Hof von nichts anderem, und der König, der keinen Augenblick zweifelte, dass Schönchen Goldhaar ja sagen werde, ließ schon prächtige Kleider machen und wunderschöne Möbeln. Während nun die Arbeitsleute in voller Beschäftigung waren, traf der Gesandte bei Schönchen Goldhaar ein und richtete seinen Auftrag aus. Aber sei es nun, dass sie diesen Tag nicht bei guter Laune war, oder gefiel ihr etwa das Kompliment nicht, genug, sie entgegnete: sie danke dem Könige schönstens, habe Indes keine Lust sich zu verheiraten.

 

Sehr betrübt über diesen Bescheid, verließ der Gesandte den Hof der Prinzessin und brachte alle die Geschenke wieder mit, die er ihr von Seiten des Königs überreicht hatte; denn wohlerzogen wie sie war, wusste sie, dass Mädchen von jungen Männern keine Geschenke annehmen dürfen und wollte daher auch weder die schönen Diamanten, noch alles Übrige behalten. Nur einen Brief feiner englischer Stecknadeln nahm sie an, um den König nicht zu beleidigen.
Als der Gesandte in der Residenz des Königs, wo er mit großer Ungeduld erwartet wurde, wieder anlangte, betrübte sich Jedermann, dass er Schönchen Goldhaar nicht mitbringe und der König weinte wie ein Kind: alle Bemühungen, ihn zu trösten, waren vergebens.

An dem Hofe des Königs befand sich ein junger Mann, schön wie der Tag; seiner Anmut und seines Geistes halber hatte man ihm den Namen Liebhold gegeben. Jedermann liebte ihn, einige neidische Höflinge ausgenommen, welche sich ärgerten, dass der König ihm wohlwollte und ihn zu seinem Vertrauten machte.
Als sich Liebhold einmal unter diesen Leuten befand und von der Rückkehr und der verunglückten Bewerbung des Gesandten gesprochen wurde, äußerte er unvorsichtigerweise: „Wenn mich der König zu Schönchen Goldhaar geschickt hätte, so bin ich überzeugt, sie wäre mit mir gekommen."
Auf der Stelle gingen diese boshaften Menschen zum Könige und sprachen: „Wissen Ew. Majestät, was Liebhold so eben gesagt hat? Wenn er zu Schönchen Goldhaar geschickt worden wäre, er hätte sie mitgebracht! Seht nur den Hochmut, er will schöner sein als Ihr und bildet sich ein, die Prinzessin würde so entzückt von ihm gewesen sein, dass sie ihm überall hin gefolgt wär'."
Auf diese Rede hin geriet der König in Zorn und so sehr, so sehr in Zorn, dass er ganz außer sich war. „Ha!“, rief er: „Macht sich dieses niedliche Püppchen über mein Unglück lustig und dünkt sich mehr, als ich? Man bringe ihn gleich in den großen Turm und lasse ihn da verhungern."
Die Leibwache des Königs ergriff Liebhold, der gar nicht mehr an das dachte, was er gesagt hatte und schleppte ihn ins Gefängnis, wo er mit der äußersten Härte behandelt wurde. Der arme Mensch erhielt nichts weiter, als ein wenig Stroh zum Lager und würde verschmachtet sein, hätte er nicht' aus einer kleinen Quelle, die am Fuß des Turmes floss, trinken und sich erfrischen können.
Eines Tages, da er kaum noch atmen konnte, sagte er seufzend: „weshalb zürnt der König auf mich, er hat keinen treueren Untertan, ich habe ihn nie beleidigt."
Zufällig ging der König an dem Turm vorüber und als er die Stimme dessen vernahm, den er sonst so sehr geliebt hatte, blieb er stehen, um ihn zu hören; obgleich seine Begleiter, welche Liebhold hassten, den König davon abzuhalten suchten, indem sie sagten: „wozu verweilt Ihr, gnädiger Herr, Ihr wisst ja, dass er ein Bösewicht ist"; aber der König antwortete: „Lasst mich, ich will ihn hören."
Als er seine Klagen vernahm, konnte er sich der Tränen. nicht erwehren, öffnete selbst die Tür seines Kerkers und rief ihn. Liebhold erschien in seinem trübseligen Zustande, warf sich vor ihm auf die Knie, küsste seine Füße und sagte zu ihm: „wodurch habe ich diese harte Behandlung verdient, mein König?"
„Du hast dich über mich und meinen Abgesandten lustig gemacht“, versetzte der König; „du hast gesagt, wenn ich dich zu Schönchen Goldhaar geschickt hätte, du würdest sie wohl mitgebracht haben."

 

„Ganz recht, gnädiger Herr“, erwiderte Liebhold, „denn ich würde eure erhabenen Eigenschaften so beredt geschildert haben, dass ich überzeugt bin, sie hätte sich durchaus nicht weigern können und damit glaube ich Nichts gesagt zu haben, was euch missfällig sein könnte." Der König fand, dass er in der Tat gar nicht Unrecht habe, warf denen, welche ihm von seinem Günstlinge Böses gesagt hatten, einen zornigen Blick zu und nahm ihn mit sich, indem er sein hartes Verfahren gegen ihn sehr bereute.
Nachdem sich Liebhold durch eine kräftige Mahlzeit gestärkt hatte, rief ihn der König in sein Kabinett und sagte: „Liebhold, ich liebe Schönchen Goldhaar noch immer, ihre abschlägige Antwort hat mich nicht zurückgeschreckt; aber ich weiß nicht, wie ich es anfangen soll, um sie für mich zu gewinnen. Ich habe also Luft, dich zu ihr zu schicken, vielleicht gelingt es dir besser."
Liebhold antwortete: „er sei bereit, ihm in allen Dingen zu gehorchen und werde gleich am nächsten Morgen seine Reise antreten."
„Oh!“, sagte der König, „ich will dir ein stattliches Gefolge mitgeben."
„Das ist nicht Notwendig“, erwiderte er, „ich brauche nur ein gutes Pferd und einen Brief von euch."
Der König umarmte ihn und war entzückt, ihn gleich so bereitwillig zu finden. An einem Montag Morgen nahm er von dem Könige und seinen Freunden Abschied und trat seine Gesandtschaftsreise an, ganz allein, ohne Prunk und Geräusch. Sein einziger Gedanke war, durch welche Mittel er Schönchen Goldhaar dahin bringen könne, den König zu heiraten. Er trug ein Schreibzeug in der Tasche und wenn ihm irgend ein glücklicher Gedanke einfiel, der in seine Anrede passte, so stieg er vom Pferde, setzte sich unter einen Baum und schrieb ihn auf, um ihn nicht zu vergessen.
Eines Morgens, als er in der Dämmerung aufgebrochen war und über eine große Wiese ritt, kam ihm ein besonders artiger Gedanke; er stieg ab und setzte sich unter die Weiden und Pappeln, die einen Fluss, am Rande der Wiese, beschatteten. Nachdem er seinen Einfall aufgezeichnet hatte, sah er sich nach allen Seiten um, denn die Gegend gefiel ihm sehr wohl. Da bemerkte er auf dem Grase einen großen Goldkarpfen, der nach Luft schnappte und kaum noch atmete; er war, indem er Mücken haschte, so hoch aus dem Wasser gesprungen, dass er aufs Gras fiel, wo er nahe daran war, sein Leben aufzugeben.
Liebhold empfand Mitleid mit ihm und obgleich er ihn zu seiner Mittagsmahlzeit ganz gut hätte brauchen können, nahm er ihn auf und setzte ihn ganz gemächlich wieder ins Wasser. Kaum fühlte der Karpfen die Frische des Wassers, so wurde er ganz munter und schlüpfte behaglich zum Grunde nieder, kam dann ganz frisch ans Ufer und sagte: „Liebhold, ich danke dir für die Wohltat, welche du mir erwiesen hast. Ohne dich wäre ich nicht mehr am Leben, du hast mich gerettet und ich will es dir vergelten." Mit dieser Versicherung verschwand er im Wasser und Liebhold war über einen so vernünftigen und ungemein höflichen Karpfen nicht wenig erstaunt.
Ein anderes Mal sah er auf seinem Wege einen Raben in großer Angst; das arme Tier wurde von einem großen Adler verfolgt, der nahe daran war, ihn zu erwischen und ihn wie eine Linse verschlungen haben würde, wenn nicht Liebhold mit dem Schicksale dieses Vogels Mitleid gehabt hätte.

 

„Sieh da“, sagte er, „wie der Starke den Schwächeren unterdrückt! Welches Recht hat der Adler, einen Raben zu fressen?" Er nahm seinen Bogen, den er immer bei sich trug, legte einen Pfeil auf und sodann den Adler gut aufs Korn nehmend, drückte er ab und durchbohrte ihn, dass er tot zur Erde fiel. Voller Freude flog der Rabe auf einen Baum und sagte: „Liebhold, du bist mir edelmütig zu Hülfe geeilt, obgleich ich nichts weiter bin als ein armer Rabe; doch ich werde nicht undankbar sein, ich werd' es dir vergelten." Liebhold verwunderte sich über die gute Gesinnung des Raben und setzte seinen Weg fort. Als er ein anderes Mal in einen großen Wald gelangte, so früh am Tage, dass er kaum den Weg vor sich sah, hörte er eine Eule jämmerlich krächzen. „Horch“, sagte Liebhold, „da ist eine Eule, die in großer Not scheint, sie hat sich vielleicht in einem Netz gefangen."
Er suchte überall, bis er endlich ein großes Netz entdeckte, welches die Vogelsteller in der Nacht aufgespannt hatten, um die kleinen Vögel einzufangen. „Wie erbarmungslos!“, sagte er, „die Menschen sind nur gemacht, sich unter einander zu quälen, oder arme Tiere zu verfolgen, die ihnen weder Leid, noch Schaden zufügen."
Er nahm sein Messer und schnitt die Schnuren entzwei. Die Eule flog auf, kehrte aber im vollen Fluge zurück und sprach: „Liebhold, ich brauche dir nicht erst eine lange Rede zu halten, um dir zu sagen, welche Verbindlichkeit ich gegen dich habe: sie liegt am Tage; die Jäger wären gekommen, ich war gefangen und ohne deinen Beistand hätte ich sterben müssen. Ich hab' ein erkenntliches Herz und werd' es dir vergelten."
Diese drei Abenteuer waren das Erheblichste, was Liebhold auf seiner Reise begegnete. Er beeilte sich so sehr, dass er in Kurzem in dem Palast von Schönchen Goldhaar eintraf; alles war darin bewunderungswürdig. Man sah hier die Diamanten wie Kieselsteine zu ganzen Haufen; prachtvolle Kleider, Leckereien, Gold und Silber, es war zum Erstaunen und Liebhold dachte wohl bei sich, wenn sie alles das verließe, um zu dem Könige, seinem Herrn, zu kommen, so hätte er wirklich von Glück zu sagen.
Er wählte zu seinem Anzuge ein Kleid von Goldstoff, einen Kopfschmuck von weißen und roten Federn, und hing eine reich gestickte Schärpe um, mit einem kleinen Körbchen, worin sich ein allerliebstes Hündchen befand, welches er unterwegs in Bologna gekauft hatte.
Liebhold war so liebenswürdig, zeigte in Allem, was er tat, einen so edlen Anstand, dass, als er an der Tür des Palastes erschien, die Wache ihm eine tiefe Verbeugung machte und man sogleich zu Schönchen Goldhaar lief, um ihr zu sagen, dass Liebhold, der Abgesandte des Königs, ihres nächsten Nachbars, sie zu sehen wünsche.
Bei dem Namen Liebhold sagte die Prinzessin: „Das ist eine gute Vorbedeutung; ich möchte wetten, er ist ein liebenswürdiger Mensch, der aller Welt gefällt."
„Ja gewiss“, versicherten einstimmig alle ihre Damen, „wir haben ihn schon vom Dach aus gesehen, als wir euer Garn auslegten und so lange er unter dem Fenster stand, haben wir nichts tun können."
„Das ist ja allerliebst“, versetzte die Prinzessin, „euch damit zu unterhalten, junge Männer anzusehen! Nun rasch, mein Staatskleid von blauem Atlas, meine hohen Schuh und meinen Fächer, und dass mir die Locken ja gut fallen, und frische Blumenkränze; denn ich will, der Gesandte soll überall sagen, dass ich mit Recht Schönchen Goldhaar heiße."
Alle ihre Frauen beeiferten sich nun, sie wie eine Königin zu schmücken und das geschah in solcher Hast, dass eine immer an die andere stieß und man dabei kaum vorwärts kam. Endlich begab sich die Prinzessin in ihre große Spiegelgalerie, um zu sehen, ob auch nichts fehle und dann setzte sie sich auf ihren Thron, der aus Gold, Elfenbein und Ebenholz gearbeitet war und wie Balsam duftete. Ihre Mädchen mussten Instrumente nehmen und dazu singen, aber nur ganz leise, um niemanden zu übertönen.

 


Man führte Liebhold in das Audienzzimmer und er war so von Bewunderung überwältigt, dass er kaum sprechen konnte, wie er später oft gestanden hat; Indes fasste er doch Mut und hielt eine bewunderungswürdige Anrede, in welcher er die Prinzessin bat, sie möchte ihm nicht den Kummer machen, ohne sie zurückzukehren.
„Mein artiger Liebhold“, erwiderte sie ihm, „alle die Gründe, welche ihr vorgebracht habt, sind in der Tat sehr erheblich und ihr dürft überzeugt sein, dass ich euch lieber als jeden Andern begünstigen möchte; aber ihr müsst wissen, dass ich vor einem Monat etwa, als ich mit allen meinen Damen am Fluss spazieren ging und man mir eine Erfrischung reichte, beim Abziehen meines Handschuhs zugleich einen Ring vom Finger zog, der unglücklicherweise in den Fluss fiel. Dieser Ring war mir lieber als mein Königreich. Ihr könnt leicht denken, in welche Betrübnis mich dieser Verlust versetzte; ich tat einen Schwur, nie irgend einem Heiratsantrage Gehör zu geben, wenn der Gesandte, der mir einen König antrüge, mir meinen Ring nicht wiederbringe. Sehet nun zu, was ihr dafür tun könnt, denn wenn ihr auch noch vierzehn Tage und vierzehn Nächte zu mir sprächet, so würdet ihr mich nicht überreden, meinen Entschluss zu ändern."
Liebhold war von dieser Antwort sehr betroffen, er machte ihr eine tiefe Verbeugung und bat sie, wenigstens das kleine Hündchen, den Korb und die Schärpe anzunehmen, allein sie erwiderte ihm, sie wolle keine Geschenke und er möge nur darauf denken, das zu tun, was sie ihm gesagt habe.
Als er nach Hause kam, legte er sich nieder, ohne gegessen zu haben, und sein Hündchen, welches Kabriol hieß, wollte auch nicht essen und setzte sich neben ihn. Die ganze Nacht hörte Liebhold nicht auf, zu seufzen. „Wie soll ich es anfangen“, sagte er, „einen Ring wieder zu finden, der vor einem Monat in einen großen Fluss gefallen ist? Es ist eine Torheit, so etwas nur zu versuchen. Die Prinzessin hat das nur gesagt, um mir eine ganz unmögliche Bedingung vorzuschreiben."
Er seufzte dabei und war ungemein bekümmert. Da sprach Kabriol, der alles hörte: „Mein teurer Herr, ich bitte euch, vertraut doch nur eurem guten Glück, ihr seid zu liebenswürdig, um nicht glücklich zu sein. Lasst uns morgen mit Tagesanbruch an das Ufer des Flusses gehen."
Liebhold gab ihm ein paar leise Schläge mit der Hand, ohne zu antworten. Endlich schlief er ein, von Kummer ganz erschöpft. Als Kabriol den Morgen anbrechen sah, machte er so viel Sprünge, bis Liebhold aufwachte und dann sagte er zu ihm: „Lieber Herr, kleidet euch an und lasst uns gehen."
Liebhold folgte ihm, stand auf, zog sich an, ging in den Garten hinab und aus dem Garten kamen sie unvermerkt bis ans Ufer des Flusses, wo er, den Hut ins Gesicht gedrückt und die Arme übereinander geschlagen, nur in Gedanken an seine Abreise auf- und abging.
Plötzlich hörte er, dass man ihn rief: „Liebhold, Liebhold!" Er sah sich nach allen Seiten um, wurde Niemanden gewahr und glaubte geträumt zu haben. Als er seinen Weg fortsetzte, rief es wieder: „Liebhold, Liebhold."
„Wer ruft mich?“, fragte er. Kabriol, der sehr klein war und ganz nah am Wasser umher guckte, antwortete ihm: „Ihr sollt mir nie mehr Etwas glauben, wenn es nicht der große Goldkarpfen ist, den ich hier sehe."
Alsbald erschien auch der Karpfen und sagte zu Liebhold: „Du hast mir auf jener Wiese das Leben gerettet und ich habe versprochen, es dir zu vergelten. Hier, guter Liebhold, ist der Ring von Schönchen Goldhaar."
Liebhold bückte sich, nahm ihn dem Karpfen aus dem Maul und sagte tausend Dank. Anstatt nach Hause zurückzukehren, ging er geraden Weges mit dem kleinen Kabriol, der sehr vergnügt war, seinen Herrn an das Ufer des Flusses gebracht zu haben, in den Palast.
Man hinterbrachte der Prinzessin, dass er sie zu sehen wünsche. „Ach“, sagte sie, „der arme Mensch, er will Abschied von mir nehmen. Er hat eingesehen, dass er meine Bedingungen unmöglich erfüllen kann und will nun seinem Herrn die Nachricht überbringen."
Da trat Liebhold herein, überbrachte ihr den Ring und sagte: „Gnädigste Prinzessin, Euer Befehl ist vollzogen. Ist es euch jetzt gefällig, den König, meinen Herrn, zum Gemahl zu nehmen?"
Als sie ihren Ring erblickte, geriet sie in ein solches Erstaunen, dass sie zu träumen meinte. „Wahrhaftig, "sagte sie, „anmutiger Liebhold, ihr müsst von irgend einer Fee begünstigt werden, denn auf natürlichem Wege kann das nicht zugehen."
„Prinzessin“, entgegnete Liebhold, „ich kenne keine Fee, ich habe nur den Wunsch, euch zu gehorchen."
„Da ihr so guten Willen habt“, fuhr sie fort, „so müsst ihr mir noch einen andern Dienst erweisen, ohne welchen ich mich nie verheiraten werde. Nicht weit von hier, ist ein Prinz mit Namen Galifron, der sich in den Kopf gesetzt hat, mich zu heiraten. Er ließ seinen Antrag mit den fürchterlichsten Drohungen begleiten, und wollte, im Fall ich ihn ausschlüge, mein ganzes Königreich verwüsten. Urteilt jedoch selbst, ob ich ihn annehmen kann; er ist ein Riese, weit über Turmhöhe und frisst einen Menschen, wie ein Affe eine Kastanie speist. Wenn er ins Feld zieht, so trägt er in seinen Taschen, statt der Pistolen, kleine Kanonen, die er ganz wie Pistolen gebraucht und wenn er recht laut spricht, so werden die, welche nahe bei ihm stehen, taub. Ich ließ ihm sagen, ich wolle mich nicht verheiraten und er möge mich entschuldigen, allein er hat nicht aufgehört, mich zu verfolgen. Er tötet alle meine Untertanen und vor allen Dingen müsst ihr diesen Riesen bekämpfen und mir seinen Kopf bringen."
Liebhold war über diesen Antrag ein wenig betroffen, Indes nach einigem Bedenken sagte er: „Nun wohl, Prinzessin, ich will Galifron bekämpfen, ich weiß, dass ich unterliegen muss; aber ich werde als ein tapferer Mann sterben."
Die Prinzessin war ganz erstaunt und sagte ihm tausend Dinge, um ihn von diesem Unternehmen abzubringen. Aber es half zu nichts, er entfernte sich, um sich Waffen und alles, was er sonst noch brauchte, zu besorgen. Als dies geschehen war, setzte er den kleinen Kabriol in sein Körbchen, bestieg sein gutes Ross und begab sich in das Land Galifrons. Er erkundigte sich bei Allen, denen er begegnete, nach ihm, und Jedermann sagte ihm, der Riese sei ein wahrer Teufel, dem man nicht zu nahe kommen dürfe. Je öfter er dies hörte, desto bänger ward ihm.
Kabriol machte ihm Mut und sagte: „Mein teurer Herr, während ihr ihn angreift, will ich ihn in die Beine beißen, er wird den Kopf umdrehen, um mich fortzujagen und da könnt ihr ihn töten."
Liebhold bewunderte den Verstand des Hündchens, aber er wusste wohl, dass ihm sein Beistand zu nichts helfen würde.
Endlich kam er ganz nah an das Schloss Galifrons; alle Wege waren mit Knochen und Gerippen von Menschen bedeckt, die er gefressen oder in Stücke zerrissen hatte. Es dauerte nicht lange, so sah er ihn zwischen einem Gebüsch daherkommen, sein Kopf ragte über die größten Bäume und mit erschrecklicher Stimme sang er:
„Wo treff' ich kleine Kinder an
Zum Fraß für meinen guten Zahn?
Mich packt ein Hunger, Hunger, Hunger an,
Die Welt hat nicht genug daran."
Sogleich erhob Liebhold seine Stimme in der nämlichen Weise:

„Hierher, hierher, da kommt ein Mann,
Der dir den Zahn ausbrechen kann
Und ist er nicht der größte Mann,
Groß genug, dass er dich töten kann." Als Galifron diese Worte hörte, sah er sich nach allen Seiten um und bemerkte Liebhold, welcher, den Degen in der Hand, ihm noch einige Schmähreden zurief, um ihn in Zorn zu bringen. Es bedurfte ihrer gar nicht. Er geriet in eine fürchterliche Wut und seine schwere eiserne Keule schwingend, würde er den artigen Liebhold mit einem Schlage zermalmt haben, wenn nicht ein Rabe gekommen wär', der sich dem Riesen auf den Kopf setzte und ihn mit seinem Schnabel so gut in die Augen traf, dass er sie ihm beide aushackte; das Blut strömte ihm übers Gesicht, er gebärdete sich wie ein Verzweifelter und schlug nach allen Seiten um sich. Liebhold wich ihm aus und brachte ihm mit seinem Schwert so viele und so tiefe Wunden bei, dass er endlich erschöpft von dem vielen Blutverlust auf die Erde stürzte. Sogleich hieb ihm Liebhold den Kopf ab, ganz erfreut über sein unverhofftes Glück.
Da sprach zu ihm der Rabe, welcher sich auf einen Baum gesetzt hatte: „Ich habe den Dienst nicht vergessen, den du mir durch den Tod des Adlers, der mich verfolgte, erwiesen hast. Ich versprach dir, ihn zu vergelten und ich glaube, es heut' getan zu haben."
„O weit mehr noch, als das, mein guter Herr Rabe“, erwiderte Liebhold; ich bleibe alle Zeit dein Schuldner." Damit schwang er sich aufs Pferd, den fürchterlichen Kopf Galifrons vor sich.
Als er in die Stadt kam, lief ihm Alt und Jung nach und rief: „seht da den tapfern Liebhold, der das Ungeheuer getötet hat."
Die Prinzessin, welche diesen Lärm hörte, zitterte, man komme sie von dem Tode Liebhold' zu benachrichtigen und wagte gar nicht zu fragen, was geschehen sei. Da trat Liebhold selbst mit dem Kopfe des Riesen herein und sagte zu ihr: „Prinzessin, euer Feind ist tot, ich hoffe, ihr werdet eure Hand nun dem Könige, meinem Herrn, nicht länger verweigern."
„Und doch“, versetzte Schönchen Goldhaar, „werde ich sie verweigern, wenn ihr nicht ein Mittel findet, mir vor meiner Abreise Wasser aus der dunklen Grotte zu bringen."
„Es gibt nämlich hier in der Nähe eine tiefe Grotte, die wohl sechs Stunden im Umfange hat. Den Eingang zu dieser Grotte verwahren zwei Drachen, die aus Maul und Augen Feuer sprühen. Ist man glücklich in die Grotte gelangt, so findet man ein tiefes Loch voll Kröten, Nattern und Schlangen, und in das muss man hinab steigen. Ganz unten am Boden aber befindet sich eine kleine Höhle, in welcher die Quelle der Schönheit und der Gesundheit fließt, und dies ist das Wasser, welches ich durchaus haben will. Es übt auf alles, was man damit wäscht, eine wunderbare Wirkung. Wenn man schön ist, bleibt man beständig schön; wenn man hässlich ist, wird man schön; wenn man jung ist, so bleibt man jung; wenn man alt ist, wird man wieder jung. Ihr seht wohl, mein guter Liebhold, dass ich mein Königreich nicht verlassen kann, ohne davon mitzunehmen."
„Prinzessin“, entgegnete er ihr, „ihr seid so schön, dass euch dieses Wasser gewiss unnütz ist; aber ich bin einmal ein unglücklicher Gesandter, dessen Tod ihr wünscht; ich will also gehen, euch das Verlangte zu holen, obschon ich die Gewissheit habe, dass ich nicht mehr zurückkehre."
Schönchen Goldhaar bestand Indes auf ihrer Forderung und Liebhold begab sich mit dem Hündchen Kabriol auf den Weg, um aus der dunklen Grotte das Wasser der Schönheit zu holen.
Alle Leute, denen er unterwegs begegnete, sagten mitleidig: „es ist doch ein Jammer, einen so liebenswürdigen jungen Mann zu sehen, der seinem Tode freiwillig entgegen geht! Er wagt sich ganz allein in die Grotte, während doch ihrer hundert nichts ausrichten würden. Warum verlangt die Prinzessin nur so unmögliche Dinge?"
Liebhold setzte seinen Weg fort, ohne zu antworten, aber er war sehr niedergeschlagen. Er gelangte an den Gipfel eines Berges, und setzte sich hier nieder, um ein wenig auszuruhen, während sein Ross weidete und Kabriol nach Mücken schnappte. Er wusste, dass die dunkle Grotte nicht weit davon war und sah sich um, ob er sie nicht gewahr würde. Endlich bemerkten einen fürchterlichen Felsen, der schwarz wie Tinte war und aus welchem ein dicker Rauch aufstieg, und gleich darauf erblickte er einen von den Drachen, der aus Maul und Augen Feuer auswarf. Sein Leib war gelb und grün, er hatte furchtbare Klauen und einen langen Schweif, der mehr als hundert Ringe machte. Kabriol geriet bei diesem Anblick in solche Furcht, dass er nicht wusste, wohin er sich verbergen sollte. Liebhold, ganz entschlossen zum Tode, zog seinen Degen und stieg mit einer Phiole, welche Schönchen Goldhaar ihm gegeben hatte, um sie mit dem Wasser der Schönheit zu füllen, den Berg hinab. Zu seinem Hündchen Kabriol sagte er, „es ist um mich geschehen. Niemals werde ich von diesem Wasser schöpfen können, welches von den Drachen bewacht wird. Wenn ich tot bin, fülle die Phiole mit meinem Blut und bringe sie der Prinzessin, damit sie sieht, wie viel sie mich kostet, dann geh zu dem Könige, meinem Herrn, und erzähle ihm mein Unglück."
Als er so sprach, hörte er, dass Jemand: „Liebhold, Liebhold!“, rief.
„Wer ruft mich?“, fragte er und erblickte in der Höhlung eines alten Baumes eine Eule, die zu ihm sagte: „Du hast mich aus dem Jägernetz, in welchem ich gefangen war, befreit und mir das Leben gerettet. Ich versprach dir diesen Dienst zu vergelten und der Augenblick ist da. Gib mir deine Phiole, ich kenne jeden Weg in der dunklen Grotte und will dir von dem Wasser der Schönheit holen."
Wer war froher als Liebhold, er gab ihr rasch seine Phiole und die Eule flog ohne irgend ein Hindernis in die Grotte. In weniger als einer Viertelstunde brachte sie das Fläschchen wohl verwahrt zurück.
Liebhold war überglücklich, er bedankte sich bei ihr von ganzem Herzen und nahm dann frohen Mutes seinen Rückweg über den Berg nach der Stadt. Er ging graden Wegs nach dem Palast und überreichte seine Phiole Schönchen Goldhaar, welche nun keine Einwendungen mehr hatte. Sie dankte Liebhold und ließ alles zu ihrer Abreise in Stand setzen, sodann trat sie die Reise mit ihm an.
Sie fand ihn sehr liebenswürdig und sagte mehr als einmal zu ihm: „Wenn ihr gewollt hättet, so hätte ich euch zum Könige gemacht, wir hätten mein Königreich gar nicht verlassen."
„Nicht um alle Königreiche der Erde“, entgegnete Liebhold, „möchte ich meinem Herrn ein so großes Leid zufügen, obgleich ich euch schöner finde, als die Sonne."
Endlich trafen sie in der Hauptstadt des Königs ein und da derselbe wusste, dass Schönchen Goldhaar mitkäme, ging er ihr entgegen und machte ihr die prächtigsten Geschenke von der Welt. Darauf wurde die Hochzeit mit so viel Festlichkeiten begangen, dass man lange Zeit von nichts Anderem redete. Aber Schönchen Goldhaar, welche im Grunde ihres Herzens Liebhold liebte, war nur vergnügt, wenn sie ihn sah und lobte ihn beständig.
„Ohne Liebhold würde ich nicht gekommen sein“, sagte sie zum Könige; „er hat für mich das Unmögliche möglich machen müssen. Ihr seid ihm vielen Dank schuldig; er hat mir Schönheitswasser gebracht, ich werde nie altern, sondern immer schön bleiben."
Die Neider, welche die Königin so reden hörten, sagten zum Könige: „Ihr seid gar nicht eifersüchtig, und habt doch so guten Grund, es zu sein, denn die Königin liebt diesen Liebhold so sehr, dass sie Essen und Trinken darüber vergisst, um nur von ihm und den Verpflichtungen zu sprechen, welche Ihr gegen ihn habt; als ob ein Anderer, den ihr geschickt hättet, nicht das Nämliche getan hätte." „Wahrhaftig“, versetzte der König, „es fällt mir nun mich auf. Man werfe ihn in den Turm, an Händen und Füßen geschlossen."
Man ergriff Liebhold und zum Lohn dafür, dass er dem Könige so redlich gedient hatte, warf man ihn in den Turm, mit Eisenfesseln an Händen und Füßen. Er sah Niemanden als den Kerkermeister, der ihm durch ein Loch ein Stück schwarzes Brot zuwarf und Wasser in einem irdenen Kruge reichte. Nur sein Hündchen Kabriol verließ ihn nicht, tröstete ihn und hinterbrachte ihm alle Neuigkeiten.
Kaum erfuhr Schönchen Goldhaar sein Missgeschick, so warf sie sich dem Könige zu Füßen und bat ihn, in Tränen schwimmend, Liebhold aus dem Gefängnis zu lassen, aber je mehr sie bat, desto zorniger wurde er, weil ihn dies nur in seinem Verdacht bestärkte, und schlug es ihr rund ab. Sie sprach also nicht mehr davon, war aber tief betrübt.
Es fiel dem Könige ein, sie finde ihn vielleicht nicht schön genug und dies brachte ihn auf den Gedanken, sich das Gesicht mit dem Schönheitswasser zu waschen, um sich der Liebe der Königin mehr zu versichern. Die Phiole mit diesem Wasser stand im Zimmer der Königin auf dem Rande des Kamins; sie hatte es dahin gestellt, weil es ihr Freude machte es anzusehen; aber eins ihrer Kammermädchen warf, als sie eine Spinne mit dem Besen tot schlagen wollte, unglücklicherweise die Phiole auf die Erde; sie zerbrach und alles Wasser war dahin. Sie wischte es rasch auf und in der Angst, was sie nun tun sollte, erinnerte sie sich, in dem Kabinett des Königs eine ganz gleiche Phiole gesehen zu haben, mit einem Wasser gefüllt, welches eben so klar war, wie das der Schönheit. Ohne ein Wort zu sagen, nahm sie heimlich das Fläschchen und setzte es auf den Kamin der Königin.
Das Wasser, welches sich im Kabinett des Königs befand, diente dazu, die zum Tode verurteilten Prinzen und Großen des Hofes hinzurichten; anstatt ihnen den Kopf abzuschlagen oder sie aufhängen zu lassen, wusch man ihnen nur das Gesicht mit diesem Wasser: sie schliefen ein und wachten nicht wieder auf.
Eines Abends nun nahm der König die Phiole und wusch sich tüchtig das Gesicht damit; darauf schlief er ein und war tot. Das Hündchen Kabriol erfuhr es gleich und hinterbrachte diese frohe Nachricht seinem Herrn, der es zu Schönchen Goldhaar schickte und sie bitten ließ, sich des armen Gefangenen zu erinnern.
Kabriol schlüpfte behutsam durch das Gedränge, denn der Tod des Königs hatte bei Hofe alles in große Bewegung gesetzt, und sagte leise zur Königin: „Gnädige Frau, vergesst den armen Liebhold nicht."
Sie hatte ihn nicht vergessen, sie erinnerte sich sehr wohl der Gefahren, die er um ihretwillen ausgestanden hatte, gleichwie seiner großen Treue. Ohne Jemanden ein Wort zu sagen, ging sie geraden Weges nach dem Turm, nahm Liebhold selbst die Fesseln von Händen und Füßen ab, setzte ihm eine goldne Krone auf den Kopf, hing ihm den königlichen Mantel um die Schultern und * sagte zu ihm: „Kommt, kommt, liebenswürdiger Liebhold, ich erwähle euch zum Könige und zu meinem Gemahl."
Er warf sich zu ihren Füßen und dankte gerührt. Jedermann war erfreut, ihn zum Gebieter zu erhalten. Die fröhlichste Hochzeit von der Welt wurde begangen und Schönchen Goldhaar und Liebhold lebten lange Zeit glücklich und zufrieden mit einander.


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Märchen der Welt, nach einer Übersetzung von Dr. Kletke, 1846, mit angepasster Schreibweise.

 

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